Das Museum
1927 machte ich aus dem Ställi ein Museum. Anni beteiligte sich daran, worüber ich froh war, weil ich die verstaubten Gegenstände nicht gern geputzt hätte. Unter Vaters Anleitung wurden die Stücke beschriftet. Dann klebte ich an die Aussenwand des Ställis ein Plakat: «Museum, Eintritt frei». Standen die Besucher dann drinnen, so zog ich die Türe etwas zu, worauf ein Plakat mit der Aufschrift «Austritt 5 Rappen» sichtbar wurde. Belustigt zahlten die meisten Leute einen Zehner, womit ich heimlich gerechnet hatte. Eines Tages erschien ein kleiner, dickhalsiger Herr, welcher, nachdem er sich das Ausstellungsgut genauestens hatte erklären lassen, gleich 50 Rappen bezahlte. Das musste ein Krösus sein; er ward wortreich verabschiedet. Wie staunte ich, als er anderntags wiederum daherkam, ein Mädchen an der Hand führend. Abermals verlangte und erhielt er eine Führung durchs Museum, und das Töchterchen, es mochte in meinem Alter sein, hörte aufmerksam zu und nickte mit dem blonden Lockenköpfchen. Dann – o Wunder: Der Herr entnahm seiner Börse zwei Fünfziger, ohne die Austrittsmahnung überhaupt beachtet zu haben. Sprachlos liess er mich zurück. Ich ahnte natürlich nicht, dass dieses Chruseligeschöpf, das eifrig plaudernd mit dem Vater dem Gasthaus zustrebte, dreissig Jahre später meine Frau sein würde und der kleine, wohlgesinnte Gönner mein Schwiegervater. Als mein Vater den flotten Geschäftsgang des Museums bemerkte, erklärte er feierlich, der Reinertrag gehöre der Mission. Von Stund an schloss ich Monsteins bedeutendste Ferienbildungsstätte. Das Unternehmen hatte innert einer Woche Fr. 9.40 eingebracht. Anni übergab ihre Hälfte sogleich dem väterlichen Missionsagenten; ich trug meine Fr. 4.70 zur Frau Calonder auf die Post und kaufte für den ganzen Betrag Steigraketen, denn in einigen Tagen feierte man den 1. August. Vater hielt neben dem Höhenfeuer hinter der neuen Kirche die Rede. Alle Augenblicke zischte hinter ihm eine Rakete in den dunkelblauen Himmel hinauf. Insgesamt 47 Prachtexemplare, teils mit Stern, teils mit Knall. Nachtrag: Anni wurde Pfarrfrau, ihr Beitrag an die Mission ist aus dem Gedächtnis der Menschheit verschwunden; von meinen «Museumsraketen» aber ist in Monstein immer noch die Rede, wenn die Alten den Jungen «von früher» erzählen.

